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„Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden"

Ökumenische Friedensschrift

Auszug aus der Ökumenischen Friedensschrift: "Wer Frieden will muss mit dem Feind reden"

Wer wir sind und wozu wir uns verpflichten
Als Mitglieder unterschiedlicher Kirchen in Deutschland stehen wir in Solidarität und Liebe an der Seite der Opfer der Kriege und der Geflüchteten. Um der betroffenen Menschen willen fordern wir alle kriegsführenden Parteien auf, die Gewalt zu beenden. Wir verpflichten uns, den Opfern und Geflüchteten weiterhin nach unseren Möglichkeiten durch praktische Hilfe und unsere Fürbitte beizustehen. Wir sehen uns durch unsere privilegierte westeuropäische Situation verpflichtet, jede Kriegstreiberei zu entlarven und die politisch
Verantwortlichen zu einer friedensförderlichen Diplomatie aufzufordern.

An wen wir uns richten
Unsere Schrift richtet sich zuerst an unsere eigenen Kirchen und Organisationen in Deutschland. Wir bringen uns mit neuen Impulsen in den friedenspolitischen und friedensethischen Diskurs ein. Dabei orientieren wir uns vor allem an der Friedensbotschaft Jesu. Zugleich richten wir uns an die Menschen in Politik und Gesellschaft, die als souveräne Bürger:innen und als Repräsentant:innen des Volkes Verantwortung tragen.

Was im Mittelpunkt steht
Wir sind überzeugt, dass die Friedensbotschaft Jesu allen Menschen gilt und gerade in der aktuellen Weltlage wichtige Orientierung für Verantwortliche in Politik und Gesellschaft geben kann. Wir verstehen besonders die Bergpredigt als sehr kompatibel mit den Einsichten der sozialwissenschaftlichen Friedens- und Konfliktforschung.

Die Bergpredigt in der Politik ernst nehmen
Die Bergpredigt empfiehlt durchweg friedensförderliches Handeln: Dazu gehören Selbstkritik, intelligente Feindesliebe und die praktische Umsetzung der Goldenen Regel. Jesus rät, zuerst den Balken im eigenen Auge zu beachten, statt den Splitter im Auge des anderen. Das betont die Bedeutung von Selbstkritik für unser Wahrnehmen, Urteilen und Handeln. Das in der Friedensforschung entwickelte Konzept der Friedenslogik erscheint uns als bester Ansatz, um die biblischen Orientierungen in der Gegenwart in friedensförderliches Handeln umzusetzen.

Für Frieden in der Ukraine und für universales Völkerrecht
Am Beispiel des Krieges Russlands gegen die Ukraine zeigen wir in dieser Schrift auf, wie friedenslogische Praxis dazu dienen kann, Gewalt und Krieg einzudämmen. Wir analysieren die Eskalation seit dem Aufnahmebeschluss der NATO für die Ukraine im Jahr 2008 und die verpassten und noch möglichen Chancen zum Aufbau einer nachhaltigen friedlichen Sicherheitsordnung in Europa. Wir plädieren auch im Blick auf andere Kriege für die Berücksichtigung der Interessen aller Konfliktparteien und die Stärkung
des Völkerrechts als universales Recht. 

Aufgaben der Kirchen
Kirchen werden ihrem Auftrag nur als Friedenskirchen gerecht. Die Friedensbotschaft Jesu stellt die Kirche in Kontrast zu einer von Gewalt und Unrecht geprägten Gesellschaft und in Verbindung zur modernen Friedensforschung. Kirchen sollten in Zeiten massiver Aufrüstung unmissverständlich für militärische Abrüstung und für den Beitritt aller Staaten zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag eintreten und eine starke, klare Stimme für den Abbau von Feindbildern sein. Auf diese Weise wirken sie der Militarisierung der Gesellschaft entgegen.

Für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit
Es gibt weltweit zahlreiche positive Beispiele christlichen Friedenswirkens. Glaubhaftes und wirksames Handeln der Kirchen erfordert die Unterstützung von Kriegsdienstverweigerung sowie konkretes
Engagement für Zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung. Als Christinnen und Christen sollten wir praktische Instrumente konstruktiver Konfliktbearbeitung erlernen und umsetzen. Der Glaube an den gewaltfreien Jesus und seine Botschaft vom Reich Gottes befreit uns vom Mythos, Friede sei durch militärische Gewalt und Drohung zu erreichen. Dagegen ermutigt uns der Glaube zum gewaltfreien Widerstand gegen Unrecht und zum Aufbau einer Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit.

Wie diese ökumenische Friedensschrift entstanden ist
Das Redaktionsteam wurde in einer Plenumssitzung einer großen Zahl von Vertreter:innen von Friedensorganisationen gebildet. Im Zusammenspiel von Entwürfen und Rückmeldungen aus dem Plenum
entstand dieser Text.

Redaktionsgruppe
Ralf Becker, Wethen
Pfarrerin Karen Hinrichs, Lahr
Prof. Dr. Dr. Heinrich Wilhelm Schäfer, Bielefeld
Dr. Theodor Ziegler, Baiersbronn

Die digitale Buchversion kann von der Website des Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie kostenlos heruntergeladen werden.

Wer das Buch jedoch zum Lesen lieber in die Hand nehmen oder weiterreichen und auch ins Regal stellen möchte, kann es in der jeder Buchhandlung oder bei BoD bestellen:
Ralf Becker / Karen Hinrichs / Heinrich Schäfer / Theodor Ziegler: Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden. – Eine ökumenische Friedensschrift, 2026. (edition pace ǀ Sonderband der Reihe). Hamburg: BoD 2026. ISBN: 978-3-6963-9825-5; Paperback; 128 Seiten; 7,99 Euro.